Augenbrauen wachsen lassen: Was wirklich hilft

von Sofie Reinik 5 Min. Lesezeit

Makroaufnahme einer naturbelassenen Augenbraue mit feinen, hellen nachwachsenden Härchen am Rand der Form, warmes Tageslicht, Lash Affair Schwäbisch Gmünd

„Ich lasse sie gerade wachsen.” Diesen Satz höre ich in meinem Atelier in Schwäbisch Gmünd ziemlich oft, und fast immer folgt darauf ein entschuldigender Blick. Ein paar Wochen später sind die Brauen dann doch wieder dünner.

Nicht weil es nicht funktioniert. Sondern weil kaum jemand die Zwischenzeit aushält. Die Zeitangabe kennen die meisten. Was niemand dazusagt: Es gibt eine Phase, in der es schlechter aussieht als vorher, und genau dort entscheidet sich alles.

Wie lange es wirklich dauert

Ein einzelnes Brauenhaar braucht etwa zwei bis drei Monate für einen vollständigen Wachstumszyklus. Das ist die Zahl, die überall steht, und sie stimmt auch.

Sie ist nur unvollständig. Deine Brauenhaare starten nämlich nicht gleichzeitig, sondern versetzt. Wenn du heute aufhörst zu zupfen, kommt ein Teil in den nächsten Wochen, ein anderer erst in drei Monaten. Bis das Gesamtbild wirklich dichter wirkt, vergehen deshalb eher vier bis sechs Monate.

Die gute Nachricht steckt am anderen Ende: Erste neue Härchen siehst du schon nach vier bis sechs Wochen. Sie sind nur so hell und fein, dass du sie im Spiegel leicht übersiehst.

Woche vier ist der Punkt, an dem es kippt

Das ist der eigentliche Grund, warum es meistens nicht klappt, und ich sage es bewusst deutlich.

In den ersten Wochen wächst nichts gleichmäßig nach. Es kommen einzelne Härchen an Stellen, wo vorher keine waren, oft weit außerhalb der gewohnten Linie. Die Braue sieht dann nicht voller aus, sondern unordentlich, und unordentlich fühlt sich schlimmer an als dünn.

An dem Punkt greift fast jede zur Pinzette. Erst wird ein einziges störendes Haar entfernt. Dann eins auf der anderen Seite, damit es gleichmäßig bleibt. Zehn Minuten später ist die Braue schmaler als vor dem ganzen Versuch, und die Uhr beginnt von vorn.

Wenn du das durchziehen willst, plane diese Phase fest ein. Sie kommt, sie ist normal, und sie geht vorbei.

Die eine Regel

Es gibt in dieser Zeit nur eine Regel, und sie ist unbequem: Nichts entfernen, was in der Nähe der Form liegt.

Erlaubt ist ausschließlich das, was eindeutig nicht dazugehört, also weit unterhalb der Braue, Richtung Lid, oder deutlich abseits. Alles, was auch nur vielleicht zur Form gehören könnte, bleibt stehen.

Der Grund ist einfach: Du kannst in dieser Phase gar nicht beurteilen, was zur Form gehört, weil die Form noch nicht da ist. Jede Entscheidung, die du jetzt triffst, triffst du auf Basis eines unfertigen Bildes.

Was in der Zwischenzeit tatsächlich hilft

Optisch lässt sich die Wartezeit deutlich abkürzen, nur eben nicht über Wachstum:

Farbe wirkt am schnellsten. Deine Brauen haben mehr Härchen, als du siehst. Viele davon sind hell und fein und fallen deshalb nicht auf. Eine Tönung oder ein Hybrid-Stain für 45 Euro färbt genau diese mit ein. Lücken schließen sich dadurch, ohne dass ein einziges Haar neu wächst. Das ist kein Trick, sondern der Grund, warum der Effekt sofort sichtbar ist. Was die Verfahren unterscheidet, steht hier: Augenbrauen färben und formen.

Lamination ordnet, was da ist. Eine Brauen-Lamination für 40 Euro richtet vorhandene Härchen auf und legt sie in eine Richtung. Dabei wird nichts entfernt. Gerade in der Wachstumsphase ist das ideal, weil aufgerichtete Härchen kahle Stellen abdecken und die störenden Ausreißer gleich mit in die Form gebracht werden.

Für viele ist genau diese Kombination die Rettung: Die Braue sieht ordentlich aus, obwohl nichts weggezupft wurde. Damit fällt der Anlass weg, aus dem sonst der Rückfall entsteht.

Wo nichts mehr zurückkommt

Diesen Teil lasse ich nicht weg, auch wenn er unangenehm ist.

Wer über Jahre an derselben Stelle gezupft hat, bekommt dort manchmal nichts mehr zurück. Der Follikel vernarbt, und dann bleibt die Stelle leer, egal wie lange du wartest. Betroffen sind besonders häufig die Brauenmitte oberhalb des Bogens und das äußere Drittel, weil dort am konsequentesten korrigiert wurde.

Ob eine Stelle noch kommt, zeigt sich nach etwa drei bis vier Monaten Ruhe. Ist bis dahin gar nichts passiert, wird sich das in der Regel auch nicht mehr ändern.

Das ist kein Grund aufzugeben. Es ist ein Grund, den Plan anzupassen: Dann arbeitet man mit Farbe und Lamination um die Stelle herum, statt weiter zu warten. Und man weiß, woran man ist.

Brauenserum: mein ehrlicher Stand

Zu Seren werde ich in dieser Phase regelmäßig gefragt, deshalb kurz und ohne Versprechen.

Peptidbasierte Seren können die Wachstumsphase unterstützen. Sie wirken mild, langsam und nicht bei jeder, und sie bringen dort nichts, wo der Follikel nicht mehr aktiv ist.

Prostaglandinhaltige Seren wirken stärker, haben aber ein Nebenwirkungsprofil: Rötungen, dunklere Haut an der Auftragestelle, in seltenen Fällen Veränderungen am Auge. Rund um die Braue landet zwangsläufig etwas näher am Auge, als einem lieb ist.

Ich bin Lash-Artistin, keine Ärztin. Wenn du unsicher bist oder empfindlich reagierst, frag in der Apotheke oder bei deiner Hautärztin nach. Denselben Maßstab lege ich bei Wimpern an: Wimpernserum bei Wimpernverlängerung.

Ein realistischer Fahrplan

So sieht es in der Praxis aus:

  1. Woche 1 bis 4: gar nichts tun. Pinzette weglegen, nicht im Vergrößerungsspiegel kontrollieren.
  2. Woche 4 bis 8: die unordentliche Phase. Jetzt hilft Farbe, damit du sie durchhältst.
  3. Woche 8 bis 12: erster Termin sinnvoll. Genug Material für eine Form, und es wird nur entfernt, was eindeutig außerhalb liegt.
  4. Ab Monat 3: Bestandsaufnahme. Wo ist etwas gekommen, wo nicht.

Beim ersten Termin nach der Pause messe ich mit dem Mapping-Faden aus, wo Anfang, Bogen und Ende liegen sollten. Wie das funktioniert, steht hier: Augenbrauenform finden. Alle Behandlungen und Preise habe ich hier zusammengestellt: Augenbrauen zupfen und färben, alle Preise.

Und wenn du unsicher bist, ob du überhaupt schon so weit bist: Komm einfach vorbei, dann schauen wir gemeinsam. Manchmal ist die ehrliche Antwort auch, noch vier Wochen zu warten. Termine gibt es online.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis Augenbrauen nachwachsen?

Ein einzelnes Brauenhaar braucht etwa zwei bis drei Monate für einen vollständigen Wachstumszyklus. Weil nicht alle Härchen gleichzeitig starten, dauert es bis zu einem sichtbar dichteren Gesamtbild eher vier bis sechs Monate. Die ersten neuen Härchen siehst du aber schon nach vier bis sechs Wochen.

Wachsen überzupfte Augenbrauen wieder nach?

In den meisten Fällen ja. Nach jahrelangem Zupfen an derselben Stelle kann das Wachstum allerdings dauerhaft ausbleiben, weil der Follikel vernarbt. Das betrifft besonders häufig die Brauenmitte oberhalb des Bogens und das äußere Drittel. Ob eine Stelle noch kommt, zeigt sich meist nach drei bis vier Monaten Ruhe.

Darf ich beim Herauswachsen zwischendurch zupfen?

Nur weit unterhalb der Braue, wo eindeutig nichts zur Form gehört. Alles andere bleibt stehen, auch die Härchen, die gerade störend wirken. Genau dort scheitern die meisten Versuche: Ein einzelnes Härchen wird entfernt, dann noch eins zum Ausgleichen, und nach zehn Minuten ist die Braue wieder dünner als vorher.

Was hilft gegen Lücken in den Augenbrauen?

Optisch hilft Farbe am schnellsten. Eine Tönung oder ein Hybrid-Stain färbt auch die feinen, hellen Härchen mit, die vorher unsichtbar waren, und schließt Lücken dadurch ohne ein einziges neues Haar. Eine Brauen-Lamination richtet zusätzlich vorhandene Härchen auf und deckt damit kahle Stellen ab.

Bringt ein Augenbrauenserum etwas?

Peptidbasierte Seren können die Wachstumsphase unterstützen, wirken aber langsam und nicht bei jeder. Prostaglandinhaltige Seren wirken stärker, haben aber ein Nebenwirkungsprofil und gehören in der Nähe des Auges nur mit Bedacht angewendet. Ich bin Lash-Artistin, keine Ärztin: Bei Unsicherheit frag in der Apotheke oder bei deiner Hautärztin.

Wann lohnt sich ein Brauendesign während der Wachstumsphase?

Meist nach acht bis zwölf Wochen. Dann ist genug Material da, um überhaupt eine Form zu definieren, und es wird nur noch das entfernt, was eindeutig außerhalb liegt. Früher lohnt es selten, weil dabei zu wenig Substanz vorhanden ist, um sinnvoll zu arbeiten.

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Sofie Reinik

Lash- & Brow-Artist und Inhaberin von Lash Affair in Schwäbisch Gmünd

Sofie schreibt hier über das, was sie täglich im Atelier macht: Wimpernverlängerung, Lifting und Brauen-Styling – ehrlich, ohne Verkaufsfloskeln.

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